2010: (Ver)suche

Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens

... (m)ein Versuch, 2010 diesen niemals enden wollenden Weg in Formen zu fassen

Der Schaffensprozess der lebensgroßen Papiertorsi ist – wie so viele unserer alltäglichen Handlungen auch - stereotyp in seinen Wiederholungen: Papier reißen, einweichen, Leim ansetzen, Papier eintauchen, Torso abformen.
Ebenso wie die namenlose Schaufensterpuppe im Verlauf ihres Verwendungsdaseins unzählige äußere Veränderungen erfahren hat, ebenso ergeht es einem jeden Individuum im Laufe seines Lebens. Während meine Hände ihr stummes Werk nahezu mechanisch verrichten, gehen die Gedanken spazieren. Ideen für die künstlerische Umgestaltung der Prototypen nehmen vor dem geistigen Auge Formen an.
Mancher Gestaltungsprozess ergab sich bereits zuvor – beim Gang durch den Garten zogen die leuchtenden herbstlichen Tönen der Blätter einer Felsenbirne meinen Blick auf sich, mein Mann brachte vom Flohmarkt ein Gesangbuch aus dem Jahr 1959 mit, beim Umorganisieren des Arbeitszimmers fiel mir ein Karton mit Reißzwecken entgegen – zufällige Anregungen?

2010 sind bislang elf Torsi entstanden. Die verschiedenen Oberflächenbearbeitungen bieten vielfältige Assoziationsmöglichkeiten. In ihrer gleichbleibenden Größe und Form stehen sie als Metapher für Gedanken und Fragen, individuell und doch von allgemeiner Natur:

  • Allzu oft unterwerfen wir uns der Alltagshektik, einem Rollenspiel, dem Streben nach einem fragwürdigen Schönheitsideal oder Modediktat – Wer hindert uns, diesen Zwängen zu entfliehen?
  • Allzu oft vergessen wir, dass die äußere Hülle nur eine solche bleibt, solange wir nicht nach inneren Werten streben oder suchen.
  • Allzu oft halten, wir uns vermeintlich für stark, obgleich wir verletzlich und vergänglich sind.